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Neuzeit

Dörfer waren den "Reisigen" schutzlos ausgeliefert. In dieser Zeit sind viele Orte, an die nur noch Flurnamen erinnern, abgegangen, z.B. Hettenbach zw. Criesbach und Bobachshof gelegen. Der Krieg richtete sich gegen Land und Leute. Grob geschätzt reduzierte sich die Bevölkerung von 30 Mio. um 10 bis 20 Mio. Menschen. Deutschland war danach regelrecht "leergefressen". Der Krieg ging zu Ende, da er sich selbst nicht mehr ernähren konnte.

Wie wir aus den Ingelfinger Akten wissen, lag Criesbach jahrhundertelang mit der Nachbarstadt wegen wichtiger Markungsteile und Weiderechte in Streit. Im Ganzen gesehen, konnten sich die Criesbacher mit ihren Standpunkten erfolgreich behaupten. Der Höhepunkt der Auseinandersetzungen wurde gegen Ausgang des 16. Jahrhunderts erreicht, im Frühjahr 1596. Hier entschied Wolfgang Graf von Hohenlohe und Herr zu Langenburg für die Criesbacher.

Es ging um einen spätmittelalterliche Rodung auf dem Braunsberg durch die Ingelfinger auf Criesbacher Markung und die Mitnutzung jenes Bodens. Da zu jener Zeit die Grenzen beider Orte noch weithin unsicher waren (unversteint) mußte eine schiedsrechtliche Entscheidung durch die Herrschaft erfolgen. Diese erteilte ein Vergleichsbrief des o.g. Grafen wonach ein, früher Criesbach zugeteilter, Zipfel den Criesbachern eigentümlich gehören soll, der Viehtrieb auf den Braunsberg frei stehen muß. (Die Ingelfinger wollten verhindern, daß die Criesbacher ihr Vieh über den Kocher treiben dürfen.)

Aber damit war der Zwist nicht abgetan. 1622 kommt es erneut zu einem Vergleich mit einem Stück Kocherflußlauf als Hauptmarkungsscheide, doch wenige Jahrzehnte (1675) später gibt es wieder prozessuale Auseinandersetzungen, es ging um die Last der Einquartierung von "Kriegsvölkern", die nach der Markungsgröße bemessen wurde. Die Criesbacher wollten, daß dies aber an der Fläche der jeweiligen Haushaltungen bemessen werden solle. (Einquartierung bedeutete, daß der jeweilige Haushalt die Soldaten für die Dauer ihres Aufenthaltes in ihren Häusern verköstigen mußten!) Da viele Ingelfinger Land auf Criesbacher Markung bestellten, hätte dies eine Erhöhung der Belastung der Ingelfinger Haushalte bedeutet. Die Ingelfinger argumentierten natürlich in Bittschriften an die Herrschaft dagegen.

Die Sache scheint zunächst nicht offiziell geklärt worden zu sein; jedenfalls dringen die Criesbacher nicht durch. Aber ihre Zähigkeit entspricht der verwickelten Rechtslage: 1696 flattern abermals Klageschriften in die gräfliche Kanzlei. Es ist ein umfangreiches Memorial daraus geworden, das weit über die eigentliche Güterbelastung hinausgeht. Es geht u.a. um die Unterschiede in Diensten, Abgaben, Gefährdung durch Kriegsläufe. Kurz: Es ist ein böser harter und bitterer nachbarlicher Streit geworden, der das Zusammenleben ziemlich vergiftet haben muß.

Diesmal sieht sich der Graf genötigt, ein Dekret zu den Klageschriften zu erlassen. Zu dem entscheidenden Streitpunkt der Belastung fremder Güter auf eigener Markung wird von Heinrich Friedrich "sehr salomonisch" verordnet, daß "vorangekündigte" Kriegslasten nach Proportionen auf die Besitzenden aufgeteilt würden (Also auch die Ingelfinger mit Criesbacher Besitz treffen), während "unerwartete" Kriegslasten von jedem Teil selbst zu tragen seien.